Der besondere Fall – Prothetik bei Patient mit CREST-Syndrom

Vor kurzem nämlich haben wir in unserer Praxis eine Patientin mit derselben Erkrankung behandelt und dabei ein anderes Vorgehen gewählt. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung und den großen Unterschieden in ihren Bildern sind die gewählten prothetischen Therapien nicht zu verallgemeinern. Unsere Patientin ist etwa 15 Jahre jünger als die in Dresden. Da sie seit beinahe 25 Jahren ununterbrochen bei uns in Behandlung ist, verfügen wir über eine umfassende Anamnese und kennen auch die Entwicklung der Erkrankung über diesen Zeitraum hinweg. Und auch, wie lange es dauerte, bis die Erkrankung als solche diagnostiziert und anerkannt wurde.

Fallberichte von Kollegen sind immer interessant, denn sie ermöglichen den Austausch von Erfahrungen und erweitern den eigenen Horizont bei der Begegnung mit Patienten.


Dies gilt ganz besonders, wenn ein Patient mit einer seltenen Erkrankung eine komplexe orale Rehabilitation benötigt und von einem Team in einer Universitätszahnklinik behandelt wird. Die dort vorhandenen Möglichkeiten und die gesammelte Expertise der Experten weisen weit über das hinaus, was wir Niedergelassenen in unseren Praxen leisten können.
Daran habe ich gedacht, als in der letzten Ausgabe der Zahnärztlichen Mitteilungen der Bericht (27.4.2018) von Matthias C. Schulz, Carola Hebold, Leonore Unger und Günter Lauer Rehabilitation bei CREST-Syndrom und extremer Mundtrockenheit über die Behandlung einer 74-jährigen Patientin mit CREST-Syndrom erschien.

Ähnlicher Fall – anderes Vorgehen – Prothetik bei CREST-Syndrom

 

Der besondere Fall - Prothetik bei Patient mit CREST-Syndrom
Zahnarztpraxis Dr. Jochen Deppe M.Sc. – niedergelassener Zahnarzt in Gütersloh seit 1993
#Prothetik #Implantologie #Prophylaxe #DigitaleZahnarztpraxis

Vor kurzem nämlich haben wir in unserer Praxis eine Patientin mit derselben Erkrankung behandelt und dabei ein anderes Vorgehen gewählt.
Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung und der großen Unterschiede in ihren Bildern sind die gewählten prothetischen Therapien nicht zu verallgemeinern.

Was ist das Besondere an dieser Krankheit?

Im Mund macht das CREST-Syndrom gravierende Beschwerden. Der Körper produziert immer weniger Speichel. Daraus folgt eine Mundtrockenheit. Unter anderem schützt Speichel die Zähne vor Karies. Folglich bekommt der Patient massive, konservativ nicht zu beherrschende Karies vor allem an den Zahnhälsen.

Anders gesagt, die Zähne faulen auch bei guter Mundhygiene weg.

Der Speichel sorgt auch dafür, dass Nahrung von den Zähnen zerkleinert und für die Verdauung vorbereitet werden kann. Fällt er weg, verändert sich nicht nur die Geschmackswahrnehmung, sondern die Zerkleinerung und das Schlucken der Nahrung wird mühsamer. Dies umso mehr, als dass das Gebiss durch die Karies schwer geschädigt wird.

Schließlich werden auch die Schleimhäute sehr empfindlich, es kommt zu Zungenbrennen und das Zahnfleisch fühlt sich oft wund an. Herausnehmbarer Zahnersatz, der sich auf dem Kiefer abstützt, kann vom Patienten deswegen nicht toleriert werden.

Nicht zuletzt benötigte herausnehmbarer Zahnersatz auch einen Speichelfilm, damit es einen Saughalt geben kann. Deswegen dürfte für einen Patienten mit CREST-Syndrom Zahnlosigkeit unausweichliches Schicksal sein.

Jede prothetische Rehabilitation muß so gestaltet sein, daß sie das Kauvermögen bestmöglich wiederherstellt, hygienefähig ist und das Zahnfleisch nur minimal berührt.

Der besondere Fall - Prothetik bei Patient mit CREST-Syndrom
Röntgenbild VOR Behandlungsbeginn
#Prothetik bei CREST-Syndrom

Planung der Therapie für eine Prothetik bei CREST-Syndrom


Unsere Patientin ist etwa 15 Jahre jünger als die in Dresden. Da sie seit beinahe 25 Jahren ununterbrochen bei uns in Behandlung ist, verfügen wir über eine umfassende Anamnese und kennen auch die Entwicklung der Erkrankung über diesen Zeitraum hinweg. Und auch, wie lange es dauerte, bis die Erkrankung als solche diagnostiziert und anerkannt wurde.

 

Folgende Überlegungen spielten in der Therapieplanung für Patient mit CREST-Syndrom eine Rolle:


1. Der vorhandene Rest-Zahnbestand ist nicht erhaltungswürdig.

2. Die Patientin soll und will in keiner Phase der Behandlung zahnlos sein.

3. Gingival getragener Zahnersatz scheidet von vornherein auch als Interimsersatz aus.

4. Der finale Zahnersatz soll getragen mit einem Minimum an Schleimhaut-Kontakt gestaltet sein. 

5. Herausgenommen soll bestmögliche Hygienefähigkeit gewährleistet sein.

Damit stand fest, dass die endgültige prothetische Rehabilitation eine teleskopierende zu sein hat.

Der besondere Fall - Prothetik bei Patient mit CREST-Syndrom
Digitale Planung für die Behandlung des Unterkiefers
#Prothetik bei #CREST-Syndrom
Der besondere Fall - Prothetik bei Patient mit CREST-Syndrom
Digitale Planung für die chirurgische Behandlung des Oberkiefers
#Prothetik #CREST-Syndrom

Anders als bei der Patientin in der Fallbeschreibung liegen keine therapierelevanten Allergien oder Unverträglichkeiten vor.


Unter Berücksichtigung aller Vorgaben fiel die Wahl auf das ProArch-Konzept von Straumann.

Zu keinem Zeitpunkt zahnlos dank Sofortversorgung – Prothetik bei CREST-Syndrom

Der besondere Fall - Prothetik bei Patient mit CREST-Syndrom
Bohrschablone Unterkiefer
#Prothetik bei #CREST-Syndrom
Der besondere Fall - Prothetik bei Patient mit CREST-Syndrom
Festsitzende provisorische Brücke drei Tage nach der OP
#Prothetik bei #CREST-Syndrom

Die Auswertung der Datensätze der Patientin (DVT, Scans der Situationsmodelle und virtuelles Set-Up) ergab günstige Voraussetzungen für eine Sofortimplantation mit Sofortversorgung  in beiden Kiefern. Das bedeutet in einer Sitzung die Entfernung der Zähne, das Setzen der Implantate (vier im Unterkiefer, sechs im Oberkiefer) und die Eingliederung einer festsitzenden, verschraubten Brücke.

Um die Implantate präzise nach den chirurgischen und prothetischen Vorgaben einzusetzen, wurden gedruckte Bohrschablonen aus der virtuellen Implantatplanung hergestellt. Zusätzlich minimiert dies das Risiko chirurgischer Komplikationen und die Belastung für die Patientin.

Der besondere Fall - Prothetik bei Patient mit CREST-Syndrom
Finaler Zahnersatz im Unterkiefer – Juni 2018
#Prothetik bei #CREST-Syndrom


Nach Abschluss der Einheilphase sollte für die definitive Versorgung die teleskopgestützte herausnehmbare Prothetik eingegliedert werden.
Nach digitaler Vorplanung war der Ablauf der Behandlung wie vorgesehen. Lediglich das Implantat regio 13 war zwei Monate nach Insertion leicht gelockert, so daß wir es für vier Monate schlafen ließen. Danach war es röntgenologisch unauffällig und fest. Dadurch verlängerte sich für die Patientin die Tragezeit der provisorischen festsitzenden verschraubten Brücke. Die finale Arbeit konnte wie vorgesehen eingegliedert werden.

Der besondere Fall - Prothetik bei Patient mit CREST-Syndrom
Röntgenaufnahme des Oberkiefers nach der chirurgischen Behandlung – Februar 2018
#Prothetik bei #CREST-Syndrom


Die Patientin ist mit ihren neuen Zähnen beschwerdefrei und glücklich. Ein Zustand, der ihr in den letzten Jahren mit ihren geschwächten eigenen Zähnen völlig unbekannt war. Vor allem schätzt sie, dass sie damit Kaugummi kauen kann. Das stimuliert ihre Speicheldrüsen und den Speichelfluß.

Was der Zahnarzt plant, setzt ein ganzes Team um

Der besondere Fall - Prothetik bei Patient mit CREST-Syndrom
Ergebnis nach der Versorgung mit Implantaten bei einer Patientin mit CREST-Syndrom – Januar 2019
#Prothetik bei #CREST-Syndrom


Wie in der Klinik, so geht es auch in der Praxis bei der Behandlung eines solchen Falls nicht ohne Team. Ohne Zahntechniker und Mitarbeiterinnen, die sich kümmern und ihr besonderes Können beitragen, geht es nicht. Die Verantwortung für die Planung und Ausführung liegt dann aber in der Hand eines Einzelnen.

Unser besonderer Dank gilt Herrn Emanuel Fernandes vom Dentallabor Fehmer-Fernandes GmbH in Nürtingen für die hervorragende zahntechnische Arbeit.

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