Digitale Zahntechnik: Integration oder Delegation

Ein Praxislabor zur Herstellung von prophetischen Arbeiten wollte ich nie, denn zu groß war mir die Abhängigkeit vom manuellen Geschick eines einzelnen Zahntechnikers. Die Freiheit, Arbeiten an die fähigsten Techniker geben zu können, ist wichtig, um den Patienten bestmöglich zu versorgen.

Das ändert sich mit der Digitalisierung. Aktuelle Software für die Zahntechnik würde es mir ermöglichen, unsere digitalen Abdrücke in der Praxis weiter zu verarbeiten: wir könnten die Arbeiten für den Patienten zahntechnisch gestalten und dann die Konstruktion zur Fertigung versenden, z. B. hierhin.

Damit wären wir eben nicht mehr abhängig vom manuellen Geschick einzelner Handwerker, sondern können, unterstützt von zuverlässigen und wissenschaftlich abgesicherten Algorithmen ein virtuelles Praxislabor betreiben.

Ist das sinnvoll? Ist das jetzt schon sinnvoll?

Bei allen Überlegungen und der zweifellos gegebenen intuitiven Bedienbarkeit der Software gibt es für mich einen übermächtigen Aspekt: es fehlt jede Möglichkeit der Kollaboration. Da mein Zahntechniker 500km entfernt in Stuttgart ist, wäre es doch gut, stelle ich mir vor, wenn wir einen workflow haben könnten, der im Fall einer vollverblendeten Brücke auf Nichtedelmetallbasis so aussieht: Wir nehmen den digitalen Abdruck, designen das Metallgerüst in unserem virtuellen Praxislabor. Nach der Freigabe der Konstruktion durch unseren Zahntechniker (dessen Arbeit sich dann später auf den wertvollsten Part konzentrieren kann, nämlich die keramische Verblendung), senden wir die Aufträge zum Fräsen des Edelstahlgerüsts an ein Fräszentrum und lassen ein Modell der Präparation drucken. Beides wird in die Praxis geliefert, wir probieren das Gerüst im Mund des Patienten an und senden dann Gerüst und Modell zum Zahntechniker, der die Brücke fertigstellt.

Für den Patienten macht das keinen Unterschied, der Vorteil für unseren Zahntechniker könnte sein, daß er entlastet wird und unser Vorteil besteht darin, daß wir mehr Umsatz in der Praxis generieren.

Es stellt sich die Frage, wer bei Fehlern und konsekutiven Neuanfertigungen verantwortlich ist, d. h. wer die Kosten trägt. Dito mit der Haftung bei Komplikationen.

Dies wäre auch bei einer Software, die kollaborativer als die vorgestellte wäre, ein ganz wichtiger Aspekt: wer trägt die Kosten bei Fehlern?

Daten sind leicht transportabel: im Moment lasse ich alles so, wie es ist.

Erst eine Software, die es dem Zahntechniker meines Vertrauens ermöglicht, daß ich kollaborativ mit ihm Prothetik konstruiere, kann mich dazu bewegen, zu investieren und ein virtuelles Praxislabor aufzubauen.

 

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